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Fünf Tage lang auf großer Tour

5 Tage ohne WLAN und eine Tour, die bei gefühlten 50 ⁰Celsius von Torgau bis nach Königstein in der Sächsischen Schweiz führt, reichlich 160 km mit den Fahrrad insgesamt, und das soll Spaß machen? Wer am letzten Ferientag Freitag letzter Woche nachmittag an der Wintergrüne 2 vorbeikam, erlebte glückliche Eltern, die ihre Kinder gesund wieder in Empfang nehmen konnten, Teilnehmer, die sichtlich stolz auf ihre Leistung waren und im nächsten Jahr unbedingt wieder mit dabei sein wollen. 

Organisiert durch den Kirchenkreis Torgau-Delitzsch waren Kinder im Alter zwischen 10 und 14 Jahren eingeladen, die letzte Ferienwoche in einer gemeinsamen Freizeit zu verbringen. 12 Kinder und 5 Erwachsene, wobei einer davon einen Teil des Gepäcks von Station zu Station mit dem Auto transportierte, starteten am Montag mit der Erwartung, eine tolle Radtour erleben zu wollen. Und die wurde es dann tatsächlich. Erste Station war das Gemeindehaus in Mühlberg, wobei die Trinkwasserstation am Wasserwerk Weßnig eine erste gute Rast bescherte. Auch der dortigen Radfahrerkirche statteten die Radler einen Besuch ab.

In Mühlberg schließlich rief der Schlossteich zum Baden, auf der Wiese konnte Fußball gespielt werden, selbst das schafften die kleinen und größeren Sportler trotz der Hitze immer noch. Die Versorgung wurde gemeinschaftlich organisiert, ein Abendessen  im Pfarrgarten unter alten Obstbäumen bot dafür ein ganz besonderes Ambiente. Die benachbarte Frauenkirche nutzten lud zur Abendandacht und bot Gelegenheit für die Feststellung, dass so unterschiedlich die Teilnehmer, so unterschiedlich auch die besuchten Kirchen auf dem Weg sind,  jeder Kirchenraum seine bemerkenswerten Eigenheiten aufweist. Kennenlernspiele und individuelles Spiel rundeten den Tag ab. Auch am Dienstag rief  ein blauer Himmel früh aus den Schlafsäcken, die Gemeindepädagogin von Mühlberg und Umgebung hielt die Situation noch auf einem Gruppenfoto fest und nach mehreren Versuchen war der Weg durch Mühlberg zur Elbbrücke auch wieder zurück gefunden, um in Richtung Riesa weiter auf dem Elberadweg unterwegs zu sein.

Baustellenschilder hatte die Gruppe am Tag zuvor auch dank entgegenkommender Radfahrer, die Entwarnung gaben, in zwei Fällen erfolgreich ignoriert, so konnten auch diesmal zum Beispiel der angezeigten Umleitungsweg über Strehla (hier wäre ein relativ steiler Berg die Konsequenz der Befolgung gewesen) ausgeschalten und die normale Strecke weitergefahren werden.  Aber was heißt normal? Der Elberadweg verläuft hier in den seltensten Fällen namensgerecht, außerdem wird der Radfahrer im Zickzack über die Felder geschickt; was für Sportler annehmbar erscheint, ist für Leute mit Gepäck und Ziel echt anstrengend. Außerdem wird sehr oft die reguläre Straße in den Verlauf integriert, und das ist für Gruppenfahrten richtig gefährlich, abgesehen vom häufigen Kopfsteinpflaster. Teilweise war der Weg echt eine Zumutung. Die Radler blieben behütet und von schlimmen Vorfällen verschont, waren aber restlos fertig und unglaublich froh, das Pfarrhaus in Boritz bei Hirschstein erreicht zu haben.

Statt der geplanten 30 km standen 42 auf dem Fahrradcomputer! Zum Glück war die Gastfreundschaft überall   riesig, und hier wartete im schattigen Garten ein frisch eingelassener Pool mit kühlem Wasser und, man mag es nicht glauben, die Kids fanden schon bald Kraft, das große Trampolin zu strapazieren. Wikingerschach und auch große Rommèrunden waren Unterhalter bis zum gemeinsamen Abendessen. Fast jeder hatte Spiele mit im Gepäck, so kamen zum Beispiel auch „Werwolf“ und „Fiese Sieben“ unter die Leute. Die Karte versprach für den nächsten Tag  einen fast doppelt so langen Weg, eine echte Herausforderung, so dass die Verantwortlichen überlegten, zunächst bis Meißen zu radeln und dann eventuell die S-Bahn zur Einfahrt nach Dresden zu nutzen. Das hieß zwar den Verzicht auf die einzigartige Stadteinfahrt mit der herrlichen Silhouette auf dem Radweg, aber Sicherheit und Gesundheit der Kinder gehen vor.

Aber Überraschung,  Meißen war unglaublich schnell erreicht, die Kinder waren vielleicht nun auch am dritten Tag besser an den Rhythmus des Weges gewöhnt und es wurde beschlossen, es noch ein Stück weiter zu versuchen, dann noch ein Stück, und am Ende , 16 km vor Dresden, einhellig festzustellen, dass der Rest auch mit eigener Kraft noch zu machen ist. Das letzte Stück  schaffte die Gruppe dank Picknickpause mit Slush-Eis und Wasser gemeinsam in bester Verfassung. Kurz vor Dresden überraschte der lang ersehnte Regen, aber erst als alle gemeinsam nach 52 km glücklich im Quartier Gemeindehaus Tolkewitz angekommen waren, ging ein wahrer Sturzregen herunter, das passte wunderbar. Nach dem Regen (an diesem Tag  wollte niemand kochen) ging es mit der Straßenbahn in die Stadt, die Großen mit Ziel Kino, die Kleineren auf eigenen Wunsch zunächst zu MC Donalds und dann im Globetrotter bis Ladenschluss Boot fahren und klettern, immer wieder ein Erlebnis.

Für 21 Uhr war vom Kantor der Herberge eine Andacht mit Kirchen- und Orgelführung angeboten worden. Herr Küttler ist ein Kantor mit Leib und Seele, der viel Gespür für die Kinder und auch nichts dagegen hatte, dass sie sich selbst auf der Orgel ausprobierten. Für die letzte Etappe am Donnerstag stand dann der Weg von Dresden Tolkewitz bis nach Königstein auf dem Programm, eigentlich das landschaftlich schönste Stück der Tour, aber eben auch mit einigen Steigungen und Abfahrten, die zu bewältigen waren.  Kleinere Pannen reparierte wie auf den anderen Etappen ein mitradelnder Erwachsener mühelos, und die Kinder hielten sich gegenseitig bei guter Laune. Erster Stopp war in Pirna, ab dann sollte das Radeln anspruchsvoller werden. In Stadt Wehlen benutzte die Gruppe die Fähre, um auf dem jenseitigen Elbufer, das nach Insidertipps ebener verlief, bis Rathen weiterzukommen. Guter Nebeneffekt war eine Trinkwasserstation an der Radfahrerkirche in Wehlen. Die Fähren an sich waren ein Erlebnis und nicht nur willkommene Ruhepause vom doch kräftezehrenden Fahren.

In Rathen war der Besuch in den Eisenbahnwelten eingeplant, auch im Vorhinaus ein Rabatt herausgehandelt worden, denn der Teilnehmerbeitrag für die Woche war gering und die Kosten mussten demzufolge kleingehalten werden, ohne am Erlebniswert der Reise zu sparen. Der Besuch hier lohnte sich wirklich, liebevoll gearbeitete Miniaturen faszinierten die Gruppe trotz hochsommerlicher Temperaturen. Dann noch 8 km bis in das letzte Quartier, die Berghütte „Mountain Hut“ am Ende von Königstein. Wer jetzt an einsame Berghütte denkt, liegt fast richtig, nur daß direkt am Grundstück die Hauptstrecke Bad Schandau – Dresden verläuft und bei diesem Aufenthalt mehr Züge zu erleben waren, als die Eisenbahnwelten bieten konnten. Aber selbst das hatte in dieser charmanten Behausung mit Schlafkojen und Weinspalier am Haus Unterhaltungswert. Für manche nicht alltäglich, wurde hier von jedem Teilnehmer eine Karte an eine liebe Person geschrieben und noch am gleichen Tag abgesendet, diese Post müsste inzwischen alle Adressaten erreicht haben.

Für die Abreise hatte  Frau Hempel vom DB Reisecenter Torgau eine 1 a Verbindung herausgesucht, passend zum Budget und  - unglaublich wie so vieles auf dieser Tour – absolut pünktlich, 3x Umsteigen und wie gewünscht stieg man exakt 15:12 Uhr in Torgau aus. Den Rücktransport der Fahrräder und größerer Gepäckstücke hatte unschlagbar günstig der Elbkurier Torgau übernommen, auch das war eine große Unterstützung für die Reise. Wer Ideen für eine Folgetour oder selbst im kommenden Jahr mitkommen möchte, kann sich sehr gern auch jetzt schon bei Beate Senftleben im Ev. Jugendbildungsprojekt wintergrüne melden.

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